28.11.2017

Minimal.

Es gibt wohl kaum einen Monat im Jahr, an dem wir so viel shoppen wie im Dezember. Das Weihnachtsfest ist für viele zum Konsumrausch verkommen. Überall locken Angebote, Kunden kaufen Geschenke, ohne zu wissen, ob der Empfänger das überhaupt gebrauchen oder leiden kann. Viele Einzelhändler machen im Dezember 30 bis 40 Prozent ihres jährlichen Gesamtumsatzes. Der Geschenkekauf wird zum Stress. Doch warum reflektieren wir uns selbst so wenig? Warum wird aus einer guten Geste eine teure Verpflichtung? Warum müssen wir uns jedes Jahr steigern, mehr Geld ausgeben? Warum spielt der Preis eine so entscheidene Rolle? Warum sind manche Menschen vom Konsum regelrecht beseelt, fühlen sich nur wohl, wenn die richtige Marke auf der Uhr steht, die Jeans nur von XYZ sein darf? Und noch wichtiger: Warum kaufen wir, um zu kaufen? Das gilt nicht nur für den Dezember. Shoppen aus Langeweile, Geld ausgeben aus Frust, kaufen fürs Glücklichsein. Das ist ein erschreckender Trend. Doch trotz des Konsumwahns gibt es auch eine andere Welle. Menschen, die ihre Lebensweise reduzieren, die sich auf das Wesentliche besinnen, die minimalistisch leben. Doch was heißt Minimalismus eigentlich?

Trend Minimalismus
Eigentlich sind Trends immer negativ behaftet. Wer will schon das machen, was alle gerade toll finden? Doch kommt es darauf an? Sollten wir nicht immer hinterfragen, was wir wollen und nicht was andere gerne hätten, dass wir es wollen? Ein minimalistischer Lebensstil kann für niemanden schlecht sein, oder? Die Frage ist einfach zu beantworten. Denn folgendes Szenario spielt sich vor fast jedem Kleiderschrank fast jeden Tag ab. Ein normaler Tag. Wir müssen zur Arbeit. Bequem soll es sein, gut aussehen, wir müssen uns wohlfühlen. Eigentlich fällt die Wahl immer auf die selben Stücke. Es sind vielleicht zehn, wenn wir alles zusammenrechnen. Warum haben wir dann nicht nur diese zehn, sondern Dutzende Shirts, Hosen, Röcke, Jacke, Cardigans mehr? Weil wir auf die richtige Situation warten? Es macht keinen Sinn, ein Kleidungsstück für einen Anlass im Schrank hängen zu haben. Es gibt ein ähnliches Stück sicherlich auch für jene besondere Situation und für den Alltag.

Nach dem Überfluss
kommt der Überdruss.

Was für Kleidungsstücke gilt, gilt auch für andere Dinge, die wir täglich brauchen. Es reicht ein Shampoo, eine Gesichtscreme, eine Nudelsorte, ein Brotaufstrich, eine Kaffeesorte, . . . Wer zu viel hat, im Überfluss lebt, wird allem überdrüssig. Er verliert schnell den Überblick, kann sich nicht mehr entscheiden, wird unsicher und verfällt automatisch bestimmten Zwängen. Ein Minimalist, also ein Mensch, der minimalistisch lebt, ist freier, kann schneller wählen, ist selbstbestimmter und muss sich ständig überlegen, was nun das richtige ist. So schreibt Wikipedia zur Definition:

Minimalismus bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen.

Es ist eine gute Bewegung, der immer mehr Menschen folgen. Denn wer reduziert lebt, verringert natürlich auch seinen Müll - und hilft damit der Umwelt. Es geht also beim Minimalismus nicht nur um uns selbst, um unsere Lebensgestaltung, sondern auch um unsere Freunde, um die Natur, um Tiere, um die Welt. Schon deswegen macht es Sinn, sich selbst zu reflektieren. Im Übrigen: Ein bisschen Selbstkritik hat noch niemandem geschadet.

Lebe ich minimalistisch?
Niemand ist perfekt und es geht auch nicht darum, alles richtig zu machen. Aber jeder kann einen Beitrag leisten und damit die Welt ein kleines Stück verbessern. Darum habe ich meinen Kleiderschrank ausgemistet. Genau überlegt, was ich wirklich brauchen, was ich wirklich anziehe, was wirklich nötig ist. Geblieben sind ein paar Tops, Pullover, Cardigans, Hosen. Für alle Anlässe trag- und kombinierbar. Das war mir wichtig. Denn ich war schon immer jemand, der immer dasselbe angezogen hat, obwohl der Schrank aus allen Nähten platzte. Mittlerweile habe ich nur noch eine Kleiderstange und eine Kommode für Unterwäsche, Socken und Sportkleidung. Genauso bei der Hygiene: Ein Shampoo, eine Gesichtscreme, ein Mascara, ein Lidschatten/Kajalstift und eine Foundation. Alles andere ist rausgeflogen.

Natürlich habe ich nichts einfach weggeschmissen. Schließlich wollen wir Müll vermeiden. Ich habe meine Klamotten verschenkt, an Bedürftige gegeben. Genauso wie mein Make-up. Alles andere wie Shampoos habe ich nach und nach aufgebraucht. Mal sehen, wie ich meinen für mich bis jetzt perfekten minimalistischen Lebensstil noch verbessern kann. Ich setze mir kleine Ziele, die ich auch erreichen kann.

Oberste Prämisse: Glücklich sein!
Minimalismus bedeutet nicht Verzicht. Du sollst glücklich sein. Immer. Wenn du also etwas brauchst, dann gönne es dir. Kaufe nicht zehn Shampoos, weil alle toll riechen und günstig sind, sondern kaufe genau das Shampoo, was dir am besten gefällt - der Preis ist dann sekundär. Denn deine Entscheidung und Freude über Duft oder Inhaltsstoffe machen dich happy. Das gilt für alles. Zu jeder Zeit. Bestimme dein Leben selbst!

Eine Checkliste, wie du durch Minimalismus glücklicher lebst, bekommst du hier.

Checkliste: Wie werde ich Minimalist?

Herbst - schimmernd in den Tod.

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