21.06.2018

Mineralöl in Cremes: Mein Umstieg auf Naturkosmetik

Ich hatte nie große Hautprobleme - hin und wieder ein paar trockene Stellen, bedingt durch Neurodemitis, eine Krankheit, die ich schon als kleines Kind hatte. Aber die Neurodemitis habe ich gut im Griff, nur bei viel Stress oder anderer psychischer Belastung bekomme ich die roten Stellen an der Ellbeuge, die dann, sobald mein Leben sich wieder einpendelt, schnell verschwinden. Ansonsten habe ich keine Probleme, hin und wieder mal einen Pickel, aber das war's auch schon. Darum war ich mit meiner Hautroutine immer zufrieden, alles verlief in guten Bahnen. Vor ein paar Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema Naturkosmetik beschäftigt, habe mir ein paar Cremes gekauft, die "gute Inhaltsstoffe" hatten - zumindest haben sie das deklariert und ich habe es geglaubt. Doch meine Haut wollte nicht so wie ich. Sie spannte, fühlte sich gestresst an. Also bin ich wieder zu meiner alten Creme zurückgekehrt, habe das Thema abgehakt, mir gedacht: Never change a winning team.

Neuer Versuch, neues Glück?
Vor wenigen Monaten ploppte das Thema wieder auf. Ich hatte bei Youtube zufällig Videos gesehen, in denen Frauen Öle für ihre Haut verwenden. "Reines Öl? What the fuck?!" Dann habe ich erneut begonnen, Inhaltsstoffe zu recherchieren. Die Creme, die ich seit gefühlt Jahrzehnten verwendete, war Nivea Soft. Ich schaute auf die Inhaltsstoffe. Nach Aqua, also Wasser, kommt direkt Glycerin, ein dreiwertiger Alkohol, der Feuchtigkeit spenden soll, aber bei Kritikern auch im Verdacht steht, zur Hautalterung beizutragen, weil er Wasser binde, was vor allem bei kühlen Temperaturen der Haut nicht gut tue. Die dritte Zutat war dann direkt ein Mineralöl, nämlich Paraffinum Liquidum. Im ersten und auch im zweiten Moment war das ein Schock für mich. Denn Mineralöle für Kosmetika werden zwar viel stärker gefiltert als etwa Benzin oder Diesel, aber es ist der selbe Stoff.

Mineralöl in der Creme
Mineralöle sind für Kosmetikhersteller billig und einfach zu verarbeiten, sie halten lange und machen Cremes und andere Produkte somit haltbar. Außerdem sollen sie so gut wie keine Allergien auslösen. Aber Mineralöle legen sich wie ein Film über die Haut, diese fühlt sich dadurch weich an, ist aber komplett blockiert in ihrer Atmung. So werden die Regenerationsprozesse verlangsamt oder gestoppt. Die Haut wird müde, ihre Funktion träge, also altert sie schneller. Außerdem leidet die Haut unter dem Mineralölfilm. Manche Stoffe könnten auch krebserregend sein. Diese Annahme ist aber noch nicht erwiesen. Experten warnen aber davor.

Wie erkenne ich ein Mineralöl in den Inhaltsstoffen?
Bei meiner Creme hieß der Stoff Paraffinum Liquidium. Es gibt aber noch mehr Bezeichnungen. An diesen erkennt ihr ein Mineralöl:

  • Mineral Oil
  • Petrolatum
  • Paraffinum Liquidum
  • Paraffinum Subliquidum
  • Microcristallina Wax
  • Ozokerit
  • Ceresin
  • Vaseline
  • Cera Microcristallina
  • Ceresin
  • Paraffin

Kein Mineralöl mehr! Aber was nun?
Da ich vor einiger Zeit nicht nur meinen Kleiderschrank, sondern auch meinen Badezimmerschrank ausgemistet hatte, weil ich minimalistischer leben wollte, lag es mir eigentlich fern, noch mal auszusortieren und Produkte wegzuschmeißen. Also steht meine Nivea-Dose noch in meinem Schrank - hin und wieder benutze ich sie, wenn etwa meine Lippen trocken sind. Mir ist bewusst, dass es nur eine kurze Linderung ist, aber es ist okay, weil die Trockenheit sowieso schnell vorüber ist. Ich weiß, wie sich wirklich trockene Lippen anfühlen. . . Denn Meine Labello-Sucht habe ich schon vor acht Jahren überwunden - mit einem Radikalentzug von ständig auf gar nicht. Das war damals heftig für mich und meine Lippen, allerdings spielte sich das nur im Kopf ab. Nach zwei Wochen waren meine Lippen wieder im Gleichgewicht. Wer süchtig nach Lippenpflegeprodukten ist und denkt, er kann nur mit diesen Labellos und Co. leben, sollte sofort aufhören - das ist wie mit dem Rauchen und dem Nikotinentzug (glaube ich), einfach anfangen, durchhalten und glücklich sein.

Die Natur ist
die beste Apotheke.
-Sebastian Kneipp

Weggeschmissen habe ich meine Nivea-Creme also nicht. Aber ich benutze sie nur noch sehr selten. Stattdessen habe ich mir neue Produkte angeschafft, die nur das enthalten, was ich bei den Inhaltsstoffen auch direkt verstehe. Mineralöle sind darin nicht enthalten, es ist nämlich als Naturkosmetik deklariert - und darin darf kein Mineralöl stecken. Bei "Öl" bin ich aber geblieben - jedoch bei gesundem, reinem, wertvollem. Ich habe mir einige Produkte zugelegt, von denen ich in meinem zweiten Post zum Thema Naturkosmetik erzähle. Der nächste Schritt wird dann sein, Cremes selbst herzustellen - etwa mit Sheabutter und ätherischen Ölen. Da experimentiere ich gerade herum, während meine Haut wieder ohne Mineralölfilm atmen kann. . . ;-)

Lappland - Schnee, Eis, Frost.

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