24.03.2018

Lappland - Schnee, Eis, Frost.

Eigentlich ist alles weiß. Die Bäume sind schneebedeckt, die Straßen sind ein einziges Meer aus Eis, die Natur, alles Leben ist unter einer zentimeterdicken Schicht aus kleinen Flocken begraben. Wer einmal einen richtigen Winter erleben möchte, der muss nach Schwedisch-Lappland. Kälte bei minus 30 Grad, Schnee, Eis, Frost. Aber eine beeindruckende Natur, ursprünglich, manchmal unwirklich und dann doch wieder brutal real.

Wir sind im Januar 2018 zum zweiten Mal nach Arjeplog in den Norden Schwedens geflogen - von Stuttgart aus. Es gibt aber auch Flüge von Frankfurt-Hahn, Hannover oder München aus.

Flug nach Arvidsjaur
Wer sich von der baden-württembergischen Landeshauptstadt auf nach Arjeplog macht, der sitzt etwa zweieinhalb Stunden im Flieger. Der Ort liegt in der Provinz Norrbottens län im Norden Schwedens. In dem 1800 Seelen Dörfchen gibt es natürlich keinen Flughafen. Er liegt eine gute Stunde Autofahrt durch die Prärie von der nächst größeren Stadt Arvidsjaur entfernt. Viel mehr Einwohner gibt es hier auch nicht, aber immerhin zweieinhalb mal so viele. Der Flughafen ist winzig. Wir steigen aus der Maschine aus und laufen in die Eingangshalle - das selbe beim Abflug. Es ist alles sehr überschaubar. Wir treten aus dem warmen Flieger, die Kälte beißt kurz in den Wangen, dann geht's - wenn man nicht sehr verfroren ist. Der Bus startet nach Arjeplog, dem kleinen Örtchen mit den Iglootels.

Fahrt nach Arjeplog
Die Wipfel der Bäume zeigen starr nach oben, als seien sie riesige, umgedrehte Eiszapfen. Nur an manchen Stellen blitzt das dunkle Grün durch den aufliegenden Schnee. Die Luft ist eine Mischung aus dunstig und klar - es ist schwer zu beschreiben. In weiter Ferne könnte sich ganz leichter Nebel über die Landschaft gezogen haben, am lichten Waldesrand, den wir mit dem Auto passieren, ist alles völlig klar, überhaupt nicht diesig.

Die Sonne steht nur halbhoch am Himmel. Weiter kommt sie nicht, sie fällt einfach auf halber Strecke wieder hinab. Die Dämmerung wirkt so idyllisch wie ein impressionistisches Bild. Die Sonne strahlt leicht orange, der Himmel wirkt bläulich-violett. Die Autoscheiben frieren an manchen Stellen zu, Eis setzt sich außen ans Auto. Keine Menschenseele ist zu sehen, allein mit der Natur und einem brummenden Motor. Die Natur rast vorbei. Dann Ankunft und volles Programm.

Abenteuer in Arjeplog
In der Nähe von Arjeplog gibt es einige Attraktionen. Wer im Iglootel übernachtet, kann zwei davon buchen. Da wir im vergangenen Jahr schon einmal hier waren, haben wir mittlerweile einiges erlebt. Zu der Nacht im Iglootel lässt sich eigentlich nur eins sagen: Es ist eine Erfahrung wert, aber ein zweites Mal muss es nicht sein. Kalt ist es in den Thermoschlafsäcken aber nicht, nur morgens, wenn man vergessen hat, seine Kleidung mit in seinen Kältekokon zu legen, hat man gelitten. Handys sollte ein jeder ebenfalls am Körper tragen, sonst macht der Akku schnell schlapp. Wer sich aber schön in der Saune aufheizt und dann in das Thermoungetüm mümmelt, wird eine schöne Nachtruhe bei etwa mins fünf Grad erleben. So kalt ist es ungefähr in den Iglus. Also aufpassen auf die Nasenspitze, die könnte kühl werden. ;-)

Die anderen Nächte verbringen Touristen übrigens in dem nahegelegenen Kraja-Hotel oder im Silverhatten, ein paar Kilometer entfernt. Die Ausstattung und der Service sind in beiden Unterkünften schwedentypisch spartanisch. Übers Frühstück lässt sich aber nicht meckern!

Angebote: Von Husky-Tour bis Elch-Safari
Wer Schnelligkeit liebt, wird bei Experience Arjeplog fündig. Die Natur rauscht auf dem Skidoo nur in Schattierungen an den Fahrern vorbei. Mit teilweise 70 Stundenkilometern sausen die Schneemobil, ähnlich einem Jet-Ski,durch die endlosen Weiten Lapplands. Vor allem auf den freien Flächen fällt die Temperatur um weitere zehn Grad. Frostbeulengefahr inklusive. Aber die Guides achten genau darauf, dass eben das nicht passiert.

Wer dabei die Natur aus dem Blick gelassen hat, kann dies bei Lars Hoffmann und Malin Strid nachholen. Sie bieten in Arjeplog Schlittenhundetouren an. Ihre "Cold Nose Huskies" sind zunächst ganz entspannt, liegen mit ihren roten Söckchen im Schnee und freuen sich über Streicheleinheiten. Doch sobald die beiden Husky-Flüsterer ihre Passagiere zu viert auf den Schlitten platzieren, geht die Post ab. Lautes Bellen läutet diese besondere Fahrt ein. Die Hunde ziehen kräftig, das Gefährt bahnt sich seinen Weg über den Schnee, zwischen Bäumen hindurch, über Brücken, an Seen vorbei - ab durch eine malerische Landschaft, die sich schneeverhangen, unaufgeregt und still präsentiert. Nur hin und wieder huscht ein Langläufer mit seinen Skiern vorbei.

Ein Mittelding zwischen den Touren mit den Skidoos und den Huskys ist die Elch-Safari. Zu zweit sitzt man eng zusammengekuschelt unter einem echten Rentierfell (nichts für Vegetarier und Veganer!) und einer Thermodecke. Das Gefährt gleicht einem Autoscooter, der allerdings nicht selbst fährt, sondern von einem Guide auf einem Skidoo gezogen wird. Dann geht's los. Langsam setzen sich nach und nach die Grüppchen in Bewegung. Quer durch die schwedische Landschaft, schneebedeckt, weiß, kalt. Hin und wieder zeigt der Guide in bestimmte Richtungen - und siehe da! Rentiere und Elche. Sie stapfen im wahrsten Sinne des Wortes durch den Schnee, es sieht aus, als würden sie schwimmen, hoch und runter bewegen sich Kopf und Körper in Wellenform.

Aber wie das in der Natur so ist: Manche Gruppen sehen 30 Elche und Rentiere, andere nur drei. Wir haben sieben gesichtet. Manche kämpften sich durchs Schneedickicht, manche standen an den Futterstellen, die extra von den Guide befüllt werden - damit die Chance größer ist, die Tiere zu erspähen. So oder so - es ist ein tolles Erlebnis! Natur hautnah!

Wer nach Lappland reist, kann in seiner Liste auch einen ganz besonderen Punkt abhaken: einmal zum Polarkreis fahren. Etwa eineinhalb Autostunden von Arjeplog entfernt, befinden sich der 66. Breitengrad, der nördliche Polarkreis. Die genauen Koordinaten lauten: Breite 66˚ 33′ 46″. Und was gibt es da? Nichts. Es ist einfach nur die pure Stille, völlig verlassen im Nirgendwo, Urzeitcharakter.

Je näher wir dem Polarkreis mit dem Auto kommen, desto seltener sind Häuser und Hütten am Straßenrand zu entdecken. Kein Mensch ist zu sehen, keine Autos, keine Tiere. Es gibt einfach nichts mehr da außer Schnee und Eis. Der Mond scheint ganz verstohlen vom Himmel herunter, während Nebel aufzieht. Ein wenig unheimlich ist es dann doch. Also schnell wieder rein ins Auto und ab in die Zivilisation - zumindest für lappische Verhältnisse!

Dennoch: Jeder dieser Eindrücke ist gespeichert, bleibt in Erinnerung und ist es wert gewesen, nur zweineinhalb Stunden im Flugzeug und eineinhalb Stunden im Auto gesessen zu haben.

Schwedisch-Lappland? Unbedingt zu empfehlen - auch im bitterkalten Winter.

Bewusst.

Weiter