19.11.2017

Herbst - schimmernd in den Tod.

Ein Windstoß. Ein Blätterregen. Als würde der Baum sein Kleid abwerfen wollen, es nicht mehr tragen können. Die Natur kraftlos. Sie hat aufgegeben, will nicht mehr. Brilliante Farben verteilen sich auf dem Weg vor mir. Meine roten Schuhe fügen sich in die Erdtöne, als gehörten sie hierher. Es knirscht bei jedem Schritt. Dann verstummt das Geräusch - die Blätter am Boden sind nun nicht mehr knusprig hart, sondern alt, matschig, feucht. Sie leuchten nicht mehr, wirken matt, trostlos, tot. Und trotzdem gehört alles zusammen. Zum Herbst.

Piroutten, Drehungen, Wirbel
Nass, trocken, farbenfroh, matschig, kühl, mild. Der Herbst vereint alles in sich. Es gibt den strahlenden September, den goldenden Oktober und den triefenden November. Jeder Monat hat seine Eigenarten, doch manchmal wirbelt die Natur alles durcheinander - wie bei meinem Spaziergang im November. Theoretisch hätten lange Bindfäden vom Himmel kommen müssen, der Boden durchgeweicht und der Wald damit unbegehbar sein müssen. Doch an diesem Sonntag war alles verkehrt. Die Blätter strahlten mir in Farben entgegen, die es nur in dieser Jahreszeit geben kann. Stattes Grün wechselte sich mit Sonnengelb, tiefem Orange und knalligem Rot ab. Hin und wieder entdeckte ich braune vertrocknete Blätter. Sie schlangen sind um die Äste, als wollten sie ihre Wirte nicht loslassen. Als wollten sie sagen: Es ist noch nicht Zeit, es ist noch zu früh. Bis ihr letzter Wunsch durch einen Windstoß unerfüllt blieb. Sie segelten langsam zu Boden. Schlugen noch ein paar Pirouetten, drehten sich, wirbelten durch die Luft und kamen schließlich auf ihren Genossen zum Erliegen. Keine Chance geben den Trieb der Natur. Sie will nicht mehr. Sie geht mit strahlenden Farben zu Ende, zu Grunde - stirbt und macht Platz für die Kühle, die Kälte, die Finsternis.

Oktober zieht sein buntes Band
als Steckbrief übers ganze Land.

Nun aber kommt er. Der Winter - mit seiner Kälte. Die Blätter, die Bäume, die Grashalme, die Blumen, die Blüten - alle kräuseln sich ob der Kühle, ob der Frische. Sie kauern sich zusammen, ohne Lebenswillen. Was bleibt, ist die Stille. Klirrend, eisig. Morgens legt sich der Nebel noch dichter über Feld und Fluss. Umhüllt uns. Hält uns fest. Hin und wieder blitzt ein Sonnenstrahl durch die grauen Wolkenmasse. Doch kraft- und saftlos. Flocken fallen. Eiskristalle setzen sich. Wir bibbern.

Doch wir haben ein Lächeln auf den Lippen. Dick verpackt in Winterjacke, mit Mütze und Schal, mit Handschuhen und Stiefeln. Nur ein paar Wochen - dann keimt sie, die Natur.

Noch ein paar Wochen - dann dringen sie durch die braune, harte Erde, die dünnen, mintgrünen Stängel. Erwachen, wachsen, leben. Was stirbt, kommt wieder - jedes Jahr aufs Neue. Denn der Frühling beweist uns immer, dass der Tod nur eine vorübergehende Jahreszeit ist, dass alles wiederkehrt. Unser Neubeginn - mit neuen Chancen. Alles auf Anfang. Doch erst einmal: Durchhalten! Wir können auch die Kälte genießen: Entdecke in jeder Situation das Positive, zieh' es heraus und mach' was draus!

Minimal.

Reisen: Überwinden und gewinnen

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