29.03.2018

Speed Painting - schnelle Striche!

Eigentlich kommt der Begriff Speed Painting aus der digitalen Kunst. Damit ist vor allem gemeint, dass Bilder im Zeitraffer entstehen, schneller gedreht sozusagen. Das könnt ihr etwa bei dem Künstler Nico di Mattia sehen, der einige solcher Bilder auf Youtube hochgeladen hat. Er zeigt, wie er mit Photoshop etwa Ironman oder den Terminator zeichnen. Das geht in Windeseile, in Sekundenschnelle, schon ist das Werk fertig. Ich meine aber mit Speed Painting eine andere Art von Kunst.

Schnelle Striche
In diesem Post habe ich ein Beispiel für Speed Painting, also dem schnellen Zeichnen oder Malen. Wie ihr an dem Bild erkennt, besteht es aus zwei Ebenen: Aquarelle und Zeichnung. Ich habe zuerst das Watercolor gemacht. Mich für die Farben entschieden, zusammengemischt, abgetönt, aufhellt, und so weiter und so fort, bis ich die für mich stimmigen Töne zusammen hatte. Das Aquarellpapier habe ich zunächst komplett mit dem Pinsel und Wasser befeuchtet. Dann folgten die Farben, die ich mehr oder weniger einfach aufgetröpft habe. Sie liefen ineinander, mischten sich, ergaben ein Muster. Akzente wie etwa das Pink oder die gelben Tupfer oberhalb des rechten Auges setzte ich, als die Farben fast getrocknet waren. Mir gefällt, dass sich die Pigmente nicht gleichmäßig verteilt haben, sondern der Wasserkranz nach dem Trocknen entstanden ist. Das macht das Bild für mich noch interessanter. Es wirkt nicht so glatt. Hätte ich die Farben perfekt ineinander laufen lassen und überschüssiges Wasser - wie üblich bei zu viel Feuchtigkeit - mit einem Wattestäbchen wegnommen, wäre es mir zu stimmig gewesen.

Sei frech und wild
und wunderbar!

Es sollte so rustikal aussehen, weil ich ja wusste, dass ich wilde, schnelle Striche zeichnen werde. Lasst die Wasserfarben bitte ganz trocknen, das Papier sollte auf keinen Fall noch feucht sein, sonst verschmiert der Fineliner!

Anders als bei einer filigranen Zeichnung habe ich nichts mit Bleistift vorgezeichnen, keine Proportionen, keine Umrisse. Ich habe direkt angefangen mit dem linken Auge: Lid, Tränenkranz, Iris, Pupille, Wimpern, Augenbraue. Der schwarze Fineliner soll bei diesem schnellen Zeichnen einfach übers Papier gleiten. Ihr müsst ihn nicht mal absetzen, zieht ihn einfach zum rechten Auge - und wieder Lid, Tränenkranz, Iris, Pupille, Wimpern, Augenbraue. Dann runter zur Nase, zum Mund, hin und her, links und rechts, schnelle Striche, einfach drauf los!

Genauso schnell aufhören, wie ihr begonnen habt
Wenn ihr dann die Augen, die Nase und den Mund gemalt habt, kümmert ihr euch noch grob um den Gesichtsumriss und die Haare - diese habe ich nur angedeutet, mit ganz wenigen Strichen. Wild, lockig, frei. Um dem Gesicht Ausdruck zu verleihen, ein bisschen Mimik zu bekommen, zeichnete sich ein paar schnelle Striche unter und über die Augen, machte sie dadurch ausdrucksstärker. Und dann? Dann war das Bild fertig.

Wir sollten ja nie beim Malen oder Zeichnen auf die Uhr schauen, Kunst sollte wie Meditation sein, uns runterbringen, Ruhe im Alltag schaffen. Aber bei diesem Experiment könnt ihr die Uhr schon im Blick haben. Ich habe etwa fünf Minuten für das Aquarellieren und für das Zeichnen gebraucht - ohne Trocknungszeit natürlich. Also ran an Pinsel und Stift - traut euch!

Ananananas.

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