27.11.2017

Farben.

Ein Bild: gelb, braun, etwas grün, schwarz, weiß. Anders als den meisten Fotos gelingt es der Komposition oben, mit wenig auszukommen. Während andere Werke knallbunt und mit einem großen Farbkasten auftrumpfen, schafft es dieses Bild, minimal zu sein, auf das Wesentlichen reduziert. Und trotzdem erfahren wir ein Gefühl. Wir spüren den schönen, sonnigen Herbsttag. Wie kann das sein?

Weniger ist manchmal mehr
Diese Floskel ist zugegeben sehr abgedroschen, wird oft inflationär eingesetzt, wenn jemand mal wieder übertreibt. Doch auch bei Kunst können wir übermütig werden, zu viel wollen. Meistens beim Zeichnen und Malen überlistet uns der Instinkt und wir möchten immer eine weitere Steigerung schaffen. Es ist wie ein leichter Wahn. Da geht noch mehr, es reicht noch nicht. Doch wie mit Buntstift und Pinsel müssen wir auch mit der Kamera mal Ruhe geben. Uns besinnen. Uns reduzieren.

„Das Leben ist einfach,
aber wir bestehen darauf,
es kompliziert zu machen.“

Das Zitat des chinesischen Philosphen Konfizius (vermutlich 551 v. Chr. – 479 v. Chr.) zeigt das Problem. Das Leben wird verkompliziert, genauso wie Kunstwerke. Es gilt also, das Einfache zu erschaffen. Denn die Genialität liegt nun mal im Simplen. Wir können noch so viele Schnörkel an unsere Schrift setzen, leserlicher wird sie dadurch nicht.

Reduziere!
Schauen wir uns das Herbstbild an. Es zeigt ein braunes Blatt - scharf. An der Farbe und Form können wir sofort erkennen: Es ist Herbst. Drumherum liegen unscharf weitere Blätter. Wir sehen kaum eine konkrete Form, aber weitere Farben, die mit dem Blatt zusammen eine stimmige Komposition ergeben. Dass das Blatt regelrecht strahlt, zeigt: Die Sonne scheint. Es ist ein toller Tag, ein Sonntag vielleicht, Zeit zum Spazierengehen, zum Atmen, zum Leben. Vielmehr brauchen wir nicht, damit das Foto uns ein gutes Gefühl gibt. Es sind ein paar Farben und Formen, die passend arrangiert sind.

Es ist wichtig, dass wir reduzieren. Wir wollen keine überladene, überfrachtete Kunst. Wir wollen leben und atmen. Wir wollen uns frei fühlen und nicht durch triefende Farben erdrückt werden. Wer eine Komposition erschaffen möchte, sollte sich erst einmal um das Wesentliche kümmern. Sich die Fragen stellen: Was möchte ich darstellen? Was möchte ich ausdrücken? Diese sind elementar. Ohne Antworten darauf, brauchen wir gar nicht anfangen.

Diese Regel gilt nicht immer - etwa Skizzen, Sketch Notes, Speed Painting, Dinge, die von ihrer Schnelligkeit leben, stehen ihr gegenüber. Denn manchmal macht es auch Spaß, ein Bild zu überfrachten - wenn es denn dem Sinn entspricht, dem wir uns vorher klar wurden. Sich ausprobieren, testen, wegschmeißen, neu beginnen, kombinieren, wissen, wann was wichtig ist und dann erschaffen - das ist Kunst.

Durst.